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Indizierung des Buches „Fiqh für Anfänger“ von Wahid Abdulsalam BALY

Islamistischer Extremismus und Terrorismus     7 | 2019

Auf Anregung des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) im Juli 2019 ein Buch indiziert: „Fiqh für Anfänger“ des ägyptischen Autoren Wahid Abdulsalam BALY wurde in die Liste B aufgenommen. Das Werk enthält problematische Aussagen u. a. zur Sklaverei sowie zum Verhältnis von Mann und Frau und propagiert eine Rechtspraxis, die nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Einklang steht. Medienträger der Liste B sind jugendgefährdend und weisen strafrechtlich relevante Inhalte auf. Sie unterliegen daher einem absoluten Verbreitungsverbot.

Bücher mit salafistischen Inhalten sind ein wichtiger Pfeiler der „Daʼwa“, also der Missionierungsarbeit. In vielen dieser Werke geht es um Themen, die einen direkten Bezug zur islamischen Praxis der Leser haben: Rituale wie das Gebet, Geschlechterrollen oder die Bildung einer islamischen Identität. Zuweilen kursieren aber auch in Deutschland Bücher, die problematischere Themen aufgreifen. Bei solchen Büchern besteht die Möglichkeit, ihre Verbreitung durch die BpjM einzuschränken. Eine Indizierung ist dann möglich und angebracht, wenn ein Medium die Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftlichen Person gefährdet und eine sozialethische Desorientierung hervorrufen kann. Das trifft zum Beispiel auf die Anstiftung zu Gewalthandlungen und Diskriminierung von Menschengruppen oder aber auf Kriegsverherrlichung zu.

Auf Anregung des LfV Baden-Württemberg hat die BpjM im Juli 2019 über ein Buch entschieden, das in hiesigen Moscheen ausliegt und an Büchertischen verteilt wird: „Figh für Anfänger“ von Wahid Abdelsalam BALY.Der arabische Begriff  Fiqh bedeutet im Allgemeinen „Verständnis“ oder „Kenntnis“. Zugleich wird er für die Wissenschaften verwendet, die sich mit den islamischen Normen beschäftigen. Fiqh bezeichnet damit die islamische Normenlehre. BALY ist ein ägyptischer Salafist, der weltweit missioniert, mit einem regionalen Schwerpunkt in Afrika. Sein Buch liegt dem LfV in einer deutschen Übersetzung vor, die 2012 vertrieben wurde. Zum Preis von 16 Euro ist das Werk bei diversen Online-Händlern bestellbar.

Auf 294 Seiten soll der Leser einen „Überblick über die wichtigsten und grundlegendsten Fragen des islamischen Rechts“ erhalten. Ausführliche Vorworten des Autors und des Übersetzers führen an das Thema heran. Das eigentliche Werk BALYs, die Einführung in die islamischen Normenlehre, erfolgt in Stichworten. Auch in diesem Buch geht es vorrangig um rituelle Fragen. BALY erörtert Themen wie Gebet, Bestattung, Zakah (Armensteuer) und Hajj (Pilgerfahrt).

Jihad und Sklaverei

Daneben weist das Buch jedoch in verschiedenen Kapiteln problematische Inhalte auf. Thematisch geht es dabei um den „Jihad“ (hier gemeint: bewaffneter Kampf), den Sklavenstatus, die Stellung der Frau und das islamische Strafrecht. Das achte Kapitel mit dem Titel „Der Jihad“ thematisiert den Umgang mit im Jihad gefangengenommenen „Kuffar“ (Ungläubigen) und die Aufteilung der Kriegsbeute. BALY kategorisiert die Gefangenen in zwei Gruppen: Gruppe eins umfasst demnach Personen, die nach Gefangennahme sofort versklavt würden – an dieser Stelle nennt er Frauen und Kinder. Zur Gruppe zwei gehören erwachsene Männer, bei denen der Befehlshaber laut BALY zwischen Exekution, Versklavung, Begnadigung, Lösegeld und dem Austausch mit muslimischen Gefangenen wählen kann. Mit diesen Stichworten suggeriert BALY die Legitimität des „Jihads“. Problematisch ist ferner, dass die Versklavung von Menschen als rechtmäßig dargestellt wird. Diese Darstellung findet sich zudem im 17. Kapitel, das den Titel „Die Sklavenbefreiung“ trägt. BALY führt aus, inwieweit ein Sklave von seinem Sklavenstatus befreit werden kann.

Stellung der Frau

Im 19. Kapitel („Das Brautgeld“) thematisiert BALY auch die Geschlechterverhältnisse in der Ehe. Dazu schreibt er zum Beispiel: „Die Frau ist verpflichtet ihrem Ehemann zu gehorchen (…)“. An anderer Stelle betont er, dass es der Frau verboten sei, sich „(…) ihrem Mann zu verweigern, wenn er nach ihr verlangt (…)“. Ebenso sei es ihr verboten, von ihrem Mann die Scheidung zu verlangen, insofern sie keinen „triftigen Grund“ habe. Im 29. Kapitel, das den Titel „Das Blutgeld“ trägt, ist ferner zu lesen:

„Züchtigt ein Mann sein Kind oder seine ungehorsame Frau (…) besteht keine Haftung (…), solange er dabei nicht das Maß überschreitet.“

Damit ist festzustellen: Die in BALYs Werk dargestellten Ge- und Verbote dienen zur Legitimation der weiblichen Unterwerfung, die im Äußersten das Aushalten von physischer Gewalt und Zwang beinhaltet.

Islamisches Strafrecht

Darüber hinaus finden sich in BALYs Werk Stellen, an denen er für eine Rechtspraxis wirbt, die nicht mit der freien demokratischen Grundordnung im Einklang steht. Im 28. Kapitel mit dem Titel „Das Strafrecht“ stellt BALY zum Beispiel das Wiedervergeltungsrecht (qisas) als legitimes rechtliches Mittel dar. Wiedervergeltung bedeutet in diesem Zusammenhang die spiegelbildliche Zufügung des Schadens unter Aufsicht eines Richters: Wird eine Person auf eine bestimmte Art verletzt, so darf sie dem Täter im Sinne des Wiedervergeltungsrechts genau die gleiche Verletzung zufügen. Im Falle des Todes einer Person, hat die Familie des Opfers die Möglichkeit, auf die Tötung des Täters zu beharren.

Im 30. Kapitel („Die strafrechtlichen Sanktionen“) listet BALY darüber hinaus Stichpunkte zu den so genannten Hadd-Strafen (Hadd bedeutet Grenze). Auch diese stellte BALY als legitime Rechtsmittel dar: Als Strafe für den außerehelichen Geschlechtsverkehr nennt BALY die Steinigung für verheiratete und. das Auspeitschen für ledige Personen. Die angemessene Strafe für Diebstahl ist ihm zufolge das Abschneiden der Hand. Personen, die vom Islam abfallen dürfen nach seiner Auffassung vom Herrscher getötet werden, wenn sie ihren Abfall nicht bereuen.

Indizierung des Buches durch die BpjM

Vor dem Hintergrund dieser Passagen hat das LfV Baden-Württemberg „Fiqh für Anfänger“ gemäß § 18 Abs. 1 Jugendschutzgesetz (JuSchG) bereits im Herbst 2017 bei der BpjM zur Indizierung angeregt. Die Entscheidung fiel durch das obligatorische Zwölfer-Gremium der Bundesprüfstelle, das sich aus einem Vorsitzenden, Beisitzern aus verschiedenen gesellschaftlichen (u. a. Buchhandel, Kirche) und staatlichen Sphären (Lehrer, Träger der öffentlichen Jugendhilfe) zusammensetzt. Im Juli 2019 entschied das Gremium, „Fiqh für Anfänger“ in die Liste B der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen. Indizierte Medien dürfen nicht mehr öffentlich beworben sowie Kinder und Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Träger- und Telemedien der Liste B sind nach Einschätzung der BpjM nicht nur jugendgefährdend, sondern auch von strafrechtlicher Relevanz. Sie unterliegen damit zudem einem absoluten Verbreitungsverbot.