Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Rechtsextremismus > Aktionsformen, Symbole und Zeichen, Musik > Aktionsformen > Zielgruppe Kinder/Jugendliche

Rechtsextremismus | Zielgruppe: Kinder und Jugendliche

Rechtsextremistische Ideologien kindgerecht verpackt 

Ob als Krümelmonster oder als „Hexe Ragna“ – Rechtsextremisten bemühen sich bereits seit Jahren darum, ihre Botschaften adressatengerecht, in manchen Fällen auch kind- bzw. jugendgerecht, aufzubereiten. Dabei ist immer wieder das Bemühen zu erkennen, die eigenen Absichten erst auf den zweiten Blick erkennbar werden zu lassen. Das ist eine bewährte und ganz aktuelle Möglichkeit, sich in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. 


„Das Krümelmonster geht wieder zur Schule ...“ – das klingt zunächst wie der Anfang einer Geschichte aus der Sesamstraße. Allerdings spielt diese Geschichte nicht im Fernsehen, sondern im wahren Leben, und das Krümelmonster ist eine kostümierte Person, die rechtsextremistisches Gedankengut verbreiten möchte. Im Oktober 2013 lernten im brandenburgischen Senftenberg Schüler des Gymnasiums ein solches Krümelmonster kennen, Sie bekamen Papptafeln mit der Aufschrift „DEUTSCH? COOL!“ und dem Hinweis auf die Internetseite der „ZUKUNFTSSTIMMEN“ [die Website der „ZUKUNFTSSTIMMEN“ richtet sich insbesondere an „die deutsche Jugend" und Personen, die sich „immer weiter vom System entfernen und nach Alternativen suchen. Überhaupt kann Demokratie weder gut noch richtig sein, wenn sie den schleichenden Tod eines über Jahrtausende organisch gewachsenen Volkes hervorruft“, so ist auf der Website zu lesen] in die Hand gedrückt und wurden damit fotografiert. Diese Fotos wurden kurz darauf im Internet veröffentlicht. 

Am darauffolgenden Morgen war auf dem Schulhof des Senftenberger Gymnasiums ein grabähnliches Loch ausgehoben worden, das mit schwarzem Stoff ausgekleidet war. Ein Holzkreuz mit der Aufschrift „Volkstod“ und rot-weißes Absperrband vervollständigten die Installation. Am Absperrband waren Blätter mit dem Schriftzug „DEUTSCHE JUGEND, WACH AUF! DIE DEMOKRATEN BRINGEN UNS DEN VOLKSTOD!“ befestigt. Auf einem Weg neben dem „Grab“ waren die Worte „2030 - DIE LETZTEN DEUTSCHEN“ zu lesen.

Die Tatsache, dass Kinder für rechtsextremistische Propaganda benutzt worden waren, sorgte in der Bevölkerung für breite Empörung. Auch das Fernsehen und die regionale Presse berichteten über diese Aktion.

Die Ankündigung des Krümelmonsters per Twitter vier Wochen nach dieser Aktion, man werde demnächst wieder Schulen besuchen, wurde kurz darauf in die Tat umgesetzt. Am 4. Dezember 2013 stellte ein Mitarbeiter der Schule in Schwarzheide (Brandenburg) zwei Sargattrappen aus Pappe mit der Aufschrift „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“ fest. Vor den „Särgen“ standen Grabkerzen. Am 6. Dezember 2013 bekannten sich bislang unbekannte Personen auf der Internetseite der „ZUKUNFTSSTIMMEN“ zu dieser symbolischen Sargaktion.

Auf dieser Internetseite ist inhaltlich eine Nähe zur „Volkstod“-Kampagne feststellbar. Diese Kampagne wurde durch die Aktionsform „Die Unsterblichen“ bekannt, die seit dem Jahr 2011 auch in Baden-Württemberg Thema ist.

Wie eingangs erwähnt, ist es nicht neu, dass sich Rechtsextremisten kostümieren, um ihre Propaganda wirkungsvoller in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Jahr 1978 ging eine Gruppe junger Männer um den Neonazi Michael Kühnen mit Lederjacken und Stahlhelm auf die Straße. Einer trug eine Eselsmaske und zeigte ein Schild mit der Aufschrift „Ich Esel glaube noch, dass in deutschen KZs Juden vergast wurden“. Wie auf der Internetseite des Landesverbands Sachsen-Anhalt der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) zu lesen ist, diente diese Form, Aufmerksamkeit zu erregen, im Jahr 2011 auch der NPD. Dort war auf den Schildern „Ich Esel glaube, dass der Euro uns Deutschen nutzt" zu sehen. 

NPD-Funktionärin als Märchenhexe 

Wer das Märchenerzähltheater mit der „Hexe Ragna“ besucht, sollte sich vorher darüber im Klaren sein, dass Magie und fliegende Besen hier sehr wahrscheinlich nur Mittel zum Zweck sind. Erfinderin dieser Figur ist laut Website der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF) deren Bundesvorsitzende Sigrid SCHÜSSLER. Sie ist u. a. familienpolitische Sprecherin des NPD-Landesverbands Bayern sowie Redakteurin der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“. 

Auch der „Abschiebär“, eine Kunstfigur der inzwischen verbotenen Gruppierung „Besseres Hannover“, war im Internet zu sehen. Darüber hinaus trat er in Propagandavideos und bei verschiedenen Veranstaltungen auf.