Rechtsextremismus | Aktionsform "Die Unsterblichen"

Sie ziehen nachts durch die Straßen. Sie sind schwarz gekleidet. Sie verdecken ihre Gesichter mit weißen Masken. Sie tragen brennende Fackeln, zünden Feuerwerkskörper und Bengal-Feuer. Auf ihren Plakaten ist zu lesen:
„Damit die Nachwelt nicht vergisst, dass du Deutscher gewesen bist“.

„Sie“ sind „Die Unsterblichen“. Es handelt sich um eine Agitations- und Aktionsform innerhalb der rechtsextremistischen Szene, die sich im Hinblick auf den Verzicht eines großen Vorbereitungsvorlaufs an die sogenannte „Flashmob-Bewegung“ anlehnt. Seit 2011 sind „sie“ auch in Baden-Württemberg aktiv. Auf ihrer Kampagnen-Homepage beschreiben sich „Die Unsterblichen“ selbst als „junge Deutsche, die sich bundesweit auf öffentlichen Plätzen zusammenfinden, um auf das Schandwerk der Demokraten aufmerksam zu machen“.
Ziel der Aktionen ist der Hinweis auf den angeblichen schleichenden „Volkstod“, der nach Auffassung der „Unsterblichen“ von den „Demokraten“ verursacht wird.

Diese Aktionsform ist dadurch gekennzeichnet, dass der Aufruf zur Teilname und die konkrete Verabredung hauptsächlich über das Internet oder über interne SMS-Verteiler – und damit sehr kurzfristig und ohne vorherige Anmeldung der beabsichtigten Versammlung bei einer Behörde – erfolgen. Die „Unsterblichen" rekrutieren sich aus verschiedenen neonazistischen Gruppen und nichtorganisierten Personenzusammenschlüssen sowie aus Sympathisantenkreisen. 

Die Internetpräsenz der „Unsterblichen“ selbst hat nicht den Charakter einer Vernetzungsseite. Auf der Homepage und auch auf den verlinkten Blogs der „Unsterblichen“ wird der einzelne Interessent dazu aufgerufen, sich schwarze Kleidung und weiße Masken zu besorgen, die dem Kleidungsstil in den ebenfalls eingestellten Videobeiträgen ähneln, um dann eine selbst inszenierte, möglichst ausgefallene und öffentlichkeitswirksame Aktion zu starten. Anhand der Beschreibung des Kleidungsstils wird auch deutlich, dass auf ein einheitliches Erscheinungsbild durch das Tragen von schwarzer Kleidung – meist mit übergezogener Kapuze – und weißen Gesichtsmasken (auch als „Totenmasken“ bezeichnet) geachtet wird. 

Die Kampagne soll neben „Flashmob“-Aktionen nicht nur sich öffentlich zum Rechtsextremismus bekennenden Aktivisten, sondern jedem Sympathisanten die Möglichkeit bieten, als Teilnehmer oder sogar Organisator aktiv zu werden. Es erfolgt offenbar bewusst keine Vernetzung im Vorfeld der Aktionen. Über die einschlägigen Internetseiten werden höchstens die Ankündung und eventuell noch der Veranstaltungsort verbreitet. Aktionen, die sie gefilmt haben setzen sie durchaus eindrucksvoll mit Musikuntermalung in Szene und stellen diese Videos ins Netz. Auch in Fasnachtsumzügen, z. B. in Konstanz, haben sich Aktivisten mehrfach unangemeldet eingereiht und Flyer mit rechtsextremistischen Inhalten verteilt. 

Es wird (bewusst) der Eindruck vermittelt, dass sich „Die Unsterblichen“ zumeist auf den Zufall verlassen, der sowohl die Teilnehmerzahl als auch die Dauer der Versammlung bestimmt. Die Vorteile für die Szene liegen hierbei klar auf der Hand: Eine bereits im Vorfeld beworbene oder öffentlich bekannte Veranstaltung wird in den Augen von Rechtsextremisten zu oft durch „den Staat“ oder Gegendemonstranten gestört. „Die Unsterblichen“ stellen ihr Handeln als vermeintlich unverfängliche Art zu demonstrieren und als Pflicht eines jeden Bürgers dar, sich auf unkonventionelle Weise gegen vermeintliche Ungerechtigkeiten in Deutschland zur Wehr zu setzen. 

Diese Methode wurde erfolgreich erstmals von den „Spreelichtern“ genutzt, einer Gruppierung innerhalb der im Juni 2012 verbotenen „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“. Ihr Wahlspruch lautete seinerzeit: „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“.