Rechtsextremistische Skinheads | Strukturen

Rechtsextremistische Skinheads erweisen sich zumeist als unwillig und/oder unfähig, eigene, festere Organisationsstrukturen zu bilden oder in bereits vorhandenen rechtsextremistischen Organisationen kontinuierlich mitzuarbeiten. Ursache dafür sind für die Szene typische Eigenschaften wie Disziplinlosigkeit, das Desinteresse an ideologisch-politischen Fragen und der Hang zu exzessivem Alkoholkonsum. Gründen sich dennoch regionale Skinheadvereinigungen, sind diese häufig kurzlebig. Allerdings sind immer wieder punktuelle Verbindungen erkennbar zwischen Teilen der rechtsextremistischen Skinheadbewegung und dem neonazistischen Lager sowie der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) und ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Rechtsextremistische Skinheads werden beispielsweise als „Ordner“ bei Versammlungen, Tagungen oder Wahlveranstaltungen rechtsextremistischer Parteien eingesetzt, um einen ungestörten Ablauf zu gewährleisten. Ihr Hauptmotiv für solche Einsätze besteht freilich weniger im Schutz der jeweiligen Versammlungsteilnehmer. Der Reiz liegt für sie vielmehr in der zu erwartenden körperlichen Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, der bei solchen Veranstaltungen fast immer anzutreffen ist. 

Strukturierungsversuche auf internationaler Ebene gehen von den 1986 in den USA gegründeten „Hammerskins“ aus, die eigene Gruppen in Kanada, Australien und Europa unterhalten. In Deutschland sind die „Hammerskins“ seit Anfang der 1990er Jahre vor allem in Berlin, Brandenburg und Sachsen vertreten. In Baden-Württemberg gehören ihnen einzelne rechtsextremistische Skinheads an. Ziel dieser rassistischen, mehr weltanschaulichen als organisatorischen Sammlungsbewegung ist es, weltweit alle „weißen, nationalen Kräfte“ in einer „Hammerskin-Nation“ zu vereinen. Ihr Emblem – zwei gekreuzte Zimmermannshämmer – soll die Macht der weißen Arbeiterklasse symbolisieren. 

Die „Blood-&-Honour“-Bewegung (B&H), eine weitere international aktive rechtsextremistische Skinheadorganisation, entstand in den 1980er Jahren in Großbritannien. Als Gründer gilt der 1993 verstorbene Neonazi Ian Stuart Donaldson, Leadsänger der neonazistischen britischen Band „Skrewdriver“. B&H verfolgt das Ziel, Konzerte mit nationalistischen und rassistischen Skinheadbands zu organisieren und dadurch politischen Einfluss auf die Szene zu nehmen. 

Mit Wirkung vom 14. September 2000 verbot der Bundesminister des Innern die deutsche „Division“ der B&H-Bewegung. In Baden-Württemberg war B&H bis zum Verbot mit Sektionen in Baden und Württemberg vertreten.

Rund drei Jahre später waren vor allem in Südwestdeutschland Nachfolgebestrebungen von B&H zu beobachten. Maßgebliche Personen waren weitgehend in ihrem früheren Hauptbetätigungsfeld – der Organisation rechtsextremistischer Skinheadkonzerte – aktiv geblieben. 2006 kam es daher zu Durchsuchungen und Beschlagnahmen. 2009 und 2011 wurden drei Personen aus Baden-Württemberg wegen der Fortführung einer verbotenen Organisation (§ 85 StGB) zu Bewährungsstrafen verurteilt.