Sie sind hier: Startseite > Arbeitsfelder > Rechtsextremismus > Ideologie

Rechtsextremismus | Ideologie

Das ideologische Gesamtgefüge des Rechtsextremismus ist in sich uneinheitlich und keineswegs starr. Im Lauf der Zeit haben einzelne Bestandteile dieses Gefüges aufgrund wechselnder historisch-politischer Rahmenbedingungen an Bedeutung verloren. Hierzu zählt etwa die rechtsextremistische Variante des Antikommunismus seit der politischen Wende von 1989/90. Andere sind dagegen wichtiger geworden, z. B. der rechtsextremistische Antiamerikanismus. Dennoch gibt es verschiedene Ideologiebestandteile, die teils schon seit dem 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle im Rechtsextremismus spielen; bis heute stoßen sie bei vielen - wenn nicht den meisten - seiner Anhänger im Grundsatz auf Zustimmung:


Ideologie der Ungleichheit

Darunter fallen insbesondere der rechtsextremistische Nationalismus, der Sozialdarwinismus (Übertragung der Auslesetheorie Charles Darwins auf die Entwicklung von menschlichen Gesellschaften) und der Rassismus. Letzterer erhält eine erhöhte Brisanz, wenn er zur Begründung des im rechtsextremistischen Lager allgegenwärtigen Antisemitismus herangezogen wird.


Ideologie der Volksgemeinschaft
Sie wird auch als „Völkischer Kollektivismus“ bezeichnet. In diesem rassistisch-nationalistischen Konzept hat rechtsextremistische Fremden- und Ausländerfeindlichkeit ihren Ursprung.


Autoritarismus
Seine konkreten Ausformungen sind Antiliberalismus, d. h. die Ablehnung eines an freiheitlichen Werten orientierten Staatswesens, und Militarismus. Er äußert sich aber auch in einem auf das „Führerprinzip“ reduzierten Staats- und Politikverständnis, das wiederum eine Feindschaft gegenüber der Demokratie und der parlamentarischen Ordnung beinhaltet.


Revisionismus
Hier gibt es zwei Bedeutungsvarianten. Von Geschichtsrevisionismus spricht man, wenn Rechtsextremisten die NS-Verbrechen – insbesondere den Holocaust und die nationalsozialistische Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – verschweigen, rechtfertigen, verharmlosen, durch Aufrechnung mit (vermeintlichen oder tatsächlichen) Verbrechen anderer Nationen und politischer Systeme relativieren oder sogar leugnen. Von Gebietsrevisionismus ist die Rede, wenn sie die Anerkennung der deutschen Gebietsverluste, wie sie sich aus den beiden Weltkriegen ergeben haben, verweigern, oder wenn sie – noch weitergehend – Gebiete für Deutschland beanspruchen, die selbst vor 1918 außerhalb der damaligen deutschen Reichsgrenzen lagen.


Antimodernismus
Er äußert sich in der Verklärung vergangener Zeiten sowie in deutlich ablehnenden Reaktionen u. a. auf geistige, ökonomische, soziale und kulturelle Modernisierungsschübe.